An(ge)dacht für Februar und März

Liebe Gemeinden im Kirchspiel,

Untergetaucht als Junker Jörg übersetzte Martin Luther im Sommer 1522 in zehn Wochen das Neue Testament. Im September wurden dann in einer hohen Auflage 3000 Exemplare gedruckt. Eineinhalb Gulden kostete es - soviel wie ein Ochse mitsamt einen Karren. Innerhalb von drei Monaten war die erste Auflage vergriffen und so wurde schon im Dezember eine zweite Auflage mit verbessertem Text erstellt. Über zwanzig Jahre arbeitete Luther an dem biblischen Text - immer mit dem Ziel einerseits für den damaligen Leser eine flüssige Übersetzung zu schaffen, andererseits wollte er dort, wo der biblische Wortlaut einen tieferen Sinn bietet auch wortwörtlich übersetzen.

Schon von Anfang an ein Unterfangen des Abwägens, Vergleichens, zwischen den Zeilen lesen… und natürlich nah am ursprünglichen Text zu sein. Gottes Wort ist lebendig - es lässt sich nicht so einfach in Sprache fassen. Auch Sprache ist lebendig. Heute sprechen wir anders als vor 500 Jahren. Mittlerweile halten wir die Lutherbibel 2017 in den Händen. Seit Luthers Tod haben viele Generationen an der Übersetzung der Heiligen Schrift gearbeitet. Manche wollten sein Erbe bewahren, andere arbeiteten daran weiter. So entstanden viele verschiedenen Varianten - Ende des 19. Jahrhunderts wurde es dann nötig, die verschiedenen Bibelübersetzungen zu vereinheitlichen. So entstanden die ersten Revisionen: Modernere Sprachweise. Neue Rechtschreibung. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse. Das waren nur einige Gründe der Zusammenführung und Erneuerung. Was heißt das ganz konkret? Die Treue gegenüber dem Ausgangstext ist ein zentrales Anliegen. Ebenso wurde überlegt, wie Worte sprachlich an die moderne angepasst werden können ohne Luthers sprachliches Profil zu stark zu ändern. (so wurde z.B. Wehmutter durch Hebamme ersetzt) Außerdem wurde darauf geachtet, dass die Sprache „typisch Luther“ bleibt. Manchmal ist eben der originale Lutherausdruck präzise und verständlicher als eine modernere Variante. Deshalb wurde auch häufig bei Änderungen zum ursprünglichen Lutherwortlaut zurückgekehrt.

Soviel die Theorie. Doch was ist die neue Lutherbibel 2017 für uns? Als Leser. Als Gottesdienstbesucher. Als Hörer. Der neue Text schenkt uns Vertrautheit - beim Hören der altbekannten Texte. Verlässlichkeit - weil sie eben das Fundament unseres Glaubens ist. Und sie schenkt uns Anregungen - weil sie immer wieder neu zu uns spricht. In neuer Sprache, aber auch hinein in unsere Zeit im Jahr 2017 und darüber hinaus. Hinein in unser persönliches Leben: Gottes Wort in uns - es bewegt uns, trägt uns, stimmt neue Saiten an. Das wünsche ich uns allen - dass uns die Bibel immer wieder neu inspiriert, manchmal weiterbringend irritiert, vor allem aber einen Schatz darstellt, der unser Leben bereichert und trägt.

Ihre und Eure Pfarrerin Sarah Zehme

P.S.: Die neue Lutherbibel 2017 wird zum Eröffnungsgottesdienst der Bibelwoche am 26. März im Kirchspiel eingeführt

internetso Großenhain
Kirche
Jahreslosung 2017:
Gott spricht:
Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Ez 36,26 (E)
Evangelisch-Lutherisches Landeskirchenamt Sachsens