An(ge)dacht im Oktober und November

Liebe Gemeinden im Kirchspiel - Jahreslosung 2018,

Ja, liebe Leser, diesmal war ich echt überrascht, als ich entdeckte, dass die neue Jahreslosung genau da beginnt, wo ich bei der Lesung anlässlich von Trauerfeiern am Grab meistens ende. In der Offenbarung des Johannes lesen wir seine Vision von der neuen Welt bei Gott, die sich nach unserer Hoffnung für die Verstorbenen auftun wird: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Ich habe bisher aufgehört mit der Aussage, dass Gott alles neu macht und mich damit unausgesprochen abgefunden, dass für uns zunächst alles beim Alten bleibt. Aber diese neue Welt „ist schon geschehen“. Gott umfasst als der Ewige Anfang und Ende, und damit auch unsere Gegenwart. Dieses mein Leben aber wird auch neu werden, wenn ich meinen Lebensdurst von Gott stillen lassen will. Sein Angebot steht, schon jetzt, schon immer, ich habe es aber gar nicht richtig mitbekommen. Aus Anlass der Jahreslosung habe ich mir auch gleich die Getränkewerbung vom Wochenende näher angesehen. „Lebendiges Wasser“ gibt es da nicht, wobei die Menschen damals unser sprudelndes Mineralwasser bestimmt so bezeichnet hätten im Vergleich zu dem abgestandenem Wasser aus den Zisternen, das bei Durst auch getrunken werden musste. Wir trinken ja gewöhnlich in regelmäßigen Abständen, sodass richtiger Durst kaum auftritt. Das ist auch die Erfahrung von Michel de Montaigne: „Wer nicht wartet, bis er Durst hat, der hat keine rechte Freude an einem guten Trunk." Und so halten wir ältere es z.B. im Volleyballverein: Während die Jugend nach jedem Spielsatz zu den Getränkeflaschen stürzt, heben wir uns den Durst für das Bier danach auf. Da haben dann jung und alt einen halben Liter getrunken, aber so schmeckt es (mir) besser. Übrigens können Menschen ca. vier Tage ohne Wasser auskommen, beim Essen sind es 60 Tage. Allerdings meint die Bibel nicht nur das Durstgefühl, das sich im Trinken stillt. Der Prophet Amos (8,11) schreibt: „Siehe, es kommt die Zeit, spricht Gott der HERR, dass ich einen Hunger ins Land schicken werde, nicht einen Hunger nach Brot oder Durst nach Wasser, sondern nach dem Wort des HERRN, es zu hören." Es würde uns einfacher machen, regelmäßig in der Bibel zu lesen, würde uns ein spürbarer Durst dazu anhalten! Vier Tage ohne Wort Gottes, ohne dieses lebendige Wasser! Solch ein Verlangen hat von den wenigsten heutiger Zeitgenossen Besitz ergriffen, und 60 Tage kein „Brot des Lebens“ zu sich nehmen, wäre auch nicht rekordverdächtig. Leider. Vielleicht ist es – nach Amos – noch nicht an der Zeit, falls dieser Hunger von Gott ausgelöst wird? Mag ja sein. Aber deshalb könnten wir es uns ja als guten Vorsatz für das neue Jahr einfach mal vornehmen: regelmäßig ins Losungsbüchlein schauen, am besten schon am Frühstückstisch. Und so hätten wir Brot für den Leib und die Seele. Und wie am Sonntag gern ein Ei den Frühstückstisch ziert, könnte es beim Wort Gottes der Weg in die Kirche sein... Mir sagte neulich jemand: „Ich gehe ja nicht jeden Sonntag zur Kirche. Aber wenn ich mich dann mal überwunden habe, merke ich, dass es fast immer gut getan hat.“ Solch ein Satz geht runter wie Öl oder frisches Wasser, brauchen wir doch das Wort Gottes wie tägliche Nahrung - und merken den Mangel meist viel zu spät. Psalm 107,9 formuliert: der HERR sättigt die durstige Seele und füllt die Hungrigen mit Gutem. Wo Gott selbst so freigiebig ist, dürfen wir auch diese Nächstenliebe pflegen. Da wäre schön, wenn jemand angesichts unseres Handelns bekennen darf (Mt. 25,35): "Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Zu trinken in Form von Getränken, aber auch im Weitersagen eines Bibelwortes, das wie lebendiges Wasser wirkt." Also: Zum Wohl, und im wahrsten Sinne des lateinischen „Prosit“: Es sei nütze.

D. Pohl

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Kirche
Jahreslosung 2017:
Gott spricht:
Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Ez 36,26 (E)
Evangelisch-Lutherisches Landeskirchenamt Sachsens