Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen!
Liebe Leserinnen und Leser!
Asylbewerber und Ausländer, Flüchtlinge und Fremde, Übersiedler und Aussiedler: kaum ein Thema hat in den letzten Monaten und Wochen die Gemüter so erhitzt wie dieses. Ich möchte heute einen Versuch der Annäherung wagen, der auf den ersten Blick von weit her kommt. Die aktuelle Asylrechtsdebatte und die Aussagen der Bibel sind zumindest historisch durch einige Tausend Jahre voneinander getrennt. Ich bin aber überzeugt, dass biblische Geschichte Wesentliches erzählt und das sich deshalb auch wesentliche Perspektiven daraus für die heutige Politik und unsere Umgangsweise mit dem Fremden ergeben. Die Bibel ist ein Flüchtlingsbuch. Wie ein roter Faden ziehen sich - von Abraham bis Jesus - Geschichten von fliehenden Menschen durch die Bibel. Die Aufnahme von Flüchtlingen ist in biblischen Erfahrungen tief verwurzelt, und einer der ältesten biblischen Rechtssätze ist das alttestamentliche Fremdenrecht: „Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid Fremdlinge gewesen in Ägyptenland.“ (Lev 19,33+34) Nun sind Sie da. Derzeit leben 47 Asylbewerber im Asylbewerberheim in Großenhain. Durch die ersten Sonnenstrahlen wurden auch sie auf die Straße gelockt, so sieht man sie beim Spaziergang auf dem Kupferberg, beim Einkauf in den Geschäften und auch im öffentlichen Leben. Die erste Schülerin besucht die Grundschule und auch 2 Vorschulkinder besuchen den Kindergarten. Auch leben 3 Familien mit christlichem Glauben im Heim. Ein iranisches Ehepaar besucht regelmäßig den Gottesdienst in der Marienkirche und versucht durch Gottesdienstbesucher und eigene Lektüre im Zimmer ihres Heimes ein Gespür für die deutsche Sprache zu erhalten um dem Gottesdienst folgen zu können. Die Christen im Iran repräsentieren zwischen 0,4 und 0,8 % der Landesbevölkerung und waren bereits vor der Ankunft des Islam im Land verbreitet. Heute stellen sie nur noch eine kleine Minderheit im Land. Die christlichen Gemeinden des Iran gehören zu den ältesten christlichen Gemeinschaften weltweit. Der Übertritt zum christlichen Glauben wird heute mit dem Tode bestraft. Die Gründe der Flucht aus der Heimat dieser Familie sind verständlich. Aufgrund ihres Glaubens litten sie unter Morddrohungen und Anfeindungen. Sie hofften in einem anderemLand, unabhängig von ihrem Glauben, ihr Leben leben zu können. Hier sind sie jedoch erst einmal zur Untätigkeit angehalten. Die Gesetze in Deutschland besagen, Asylbewerber dürfen erst nach 12 monatigem Aufenthalt in Deutschland einen Deutschkurs besuchen und auch nur dann, wenn das Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Analog dazu ist die Situation zur Erwerbstätigkeit. Generell ist Asylbewerbern die Arbeit im ersten Jahr in Deutschland untersagt. Danach können sie sich um eine Arbeitsstelle bemühen, allerdings haben nach dem „Vorrangprinzip“ alle deutschen Arbeitnehmer, EU Bürger und andere bevorrechtigte Ausländer Vorrang. Den deutschen Richtlinien zum Trotz und unterstützt von Gemeindemitgliedern, erhalten die Familie nun einmal wöchentlich Deutschunterricht. Durch die Kraft und die Aufgeschlossenheit unserer Gemeinde haben sich Kontakte gebildet und die Familie erfährt Anerkennung und Wertschätzung. Ich bin mir sicher durch die Hilfe der Gemeinde und den Glauben schaffen wir es, gemeinsam die ersten Schritte zu gehen.
Sylvia Spargen









