An(ge)dacht im August und September

Liebe Gemeinden im Kirchspiel,

Um Schätze geht es in dieser Gemeindebriefausgabe. Und ich denke, dass wir diesmal mit besonders aufmerksamen Lesern rechnen können. Denn Schätze beflügeln unsere Phantasie. Vielleicht könnt ihr euch noch entsinnen, als wir Kinder waren und unsere kleinen Schatzkammern anlegten. Meist mit ein paar Steinen, Glasperlen oder Münzen. Es wäre aber gelogen, wenn wir behaupten würden, den Klang des Wortes „Schatz“ würden wir als Erwachsene nicht auch besonders registrieren. Auch in der Bibel spielen Schätze immer wieder eine Rolle. Und wer meint, Schätze werden hier pauschal verurteilt, der irrt. König Salomo beispielsweise gilt als einer der reichsten Herrscher des alten Israels. Seine reich gefüllten Schatzkammern, auch der seinerseits wohl wirklich seltene Wohlstand im Volk und Land, gilt sogar als Ausdruck des Segen Gottes. Dennoch benennt die Bibel in vielen Geschichten und Gleichnissen auch die Gefahren von Schätzen. Sie erzählt vom Neid, von der Eifersucht, dem Vergleichen, warnt vor Gier, der schnell durch materielle Schätze geweckt wird. Haben als ob man nicht hätte, so könnte man viele Geschichten zusammenfassen. So sagt Jesus in der Bergpredigt: „Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel! Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ (Matthäus 6, 19-21). Nun bleibt ja offen, was ein himmlischer Schatz ist. Dahinter steckt aber eine tiefere Wahrheit: Was ein (himmlischer) Schatz ist, - dafür gibt es keine 1-Satz-Antworten. Das ist für jeden Menschen etwas anderes. Ein Schatz ist immer auch Ausdruck dessen, wonach wir uns sehnen, was wir uns im Leben erhoffen, wünschen oder was uns erfüllt hat. Und das ist immer unterschiedlich. Selbst im Laufe eines Menschenlebens kann es da Veränderungen geben. Nach meiner Beobachtung werden beispielsweise Schätze mit steigendem Alter immer weniger materiell. In jungen Jahren sammelt man andere Schätze in die Scheunen, als im Alter. Wie lange sind wir damit beschäftigt, einen Haushalt zusammen zu sammeln und zu erhalten; finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen, Rücklagen zu bilden, vielleicht ein Haus zu kaufen. Wenn ich dann aber sehe, wovon man sich dann im Alter scheibchenweise trennt und trennen muss, weil man es auch gar nicht mehr braucht, komme ich schon ins Nachdenken. Offensichtlich werden andere Dinge immer wichtiger: Gesundheit, Gemeinschaft, dass man nicht einsam ist. Und so verhält es sich auch mit den himmlischen Schätzen. Auch sie sind vielfältig und werden von uns Menschen unterschiedlich empfunden: Werte und Orientierung; Liebe und Hoffnung angesichts der Endlichkeit. Die Möglichkeit, schweres annehmen zu lernen; die Erfahrung, von Gott geborgen zu sein… was auch immer: So verschieden sie sein mögen, - der Glaube bietet etwas, was ein Leben in einem tieferen Sinn reich machen kann. Es geht darum, das seine zu finden, es zu pflegen und darin wertzuschätzen.

Ihr Pfarrer Adolph

internetso Großenhain
Kirche
Jahreslosung 2017:
Gott spricht:
Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Ez 36,26 (E)
Evangelisch-Lutherisches Landeskirchenamt Sachsens