An(ge)dacht für April und Mai

Liebe Gemeinden im Kirchspiel,

Über Freundschaft schreiben, ist ein weites Feld und immer mit persönlichen Emotionen gefärbt. „Wenn du dir ´ne Freundin suchst, dann suche dir die rechte, denn unter hundert Freundinnen sind neunundneunzig schlechte“. So hieß es, als wir uns in der Grundschulzeit gegenseitig die Poesiealben vollgeschrieben haben. Diese Weisheit könnte entmutigen, mit der ernsthaften Suche zu beginnen. Man würde ja statistisch gesehen unausweichlich an eine schlechte geraten! Ich hatte während der Schule auch gar keine Freundin, und wir waren gefühlt mindestens hundert, die in das eine hübsche Mädel aus der Klasse verknallt waren...Dann fällt mit der Filmschlager mit Heinz Rühmann ein: „Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt. Ein Freund bleibt immer Freund, auch wenn auch die ganze Welt zusammen fällt. Drum sei auch nie betrübt, wenn dein Schatz dich auch nicht mehr liebt. Ein Freund, ein guter Freund, das ist der größte Schatz, den's gibt.“ Meine große Liebe und Freundschaft galt ab der Oberschulzeit dem Bergsport in der Sächsischen Schweiz, wohin wir fast an jedem Wochenende fuhren und mit einfachster Ausrüstung klettern waren und anschließend auch gleich unter den Felsen übernachteten. Am Lagerfeuer wurden Lieder gesungen, eigentlich uncool, aber auch romantisch: Wenn wir erklimmen sonnige Höhen, klettern dem Gipfelkreuz zu. In unser' m Herzen brennt eine Sehnsucht, Die lässt uns nimmer in Ruh. Strahlende Berge, sonnige Höhen, Bergvagabunden sind wir, ja wir. Herrliche Berge, sonnige Höhen, Bergvagabunden sind wir. Rolf war dann auch ein besonderer Freund geworden, ein paar Jahre älter als ich, schaute ich auf zu ihm und mir von ihm seine Leidenschaft für den Weinbau ab, das Singen im Bergsteigerchor, und ich kaufte mir an einem Regentag in einer Dorfkirche meine erste Bibel, um nachzulesen, was dort an biblischen Szenen an die Emporen gemalt war. Die Nachricht von seinem Tod traf mich letztes Jahr sehr... Freundschaft – tippt man das Wort in den Computer und ruft eine Suchmaschine auf, werden sofort 24.5 Millionen Eintragungen erwähnt. Und wer in der Facebook – Gemeinschaft seine Freundschaften pflegt, die man per Mausklick in Sekundenschnelle eintragen kann, hat durchschnittlich 342 Facebook- Freunde, mehr als 5.000 darf man nicht haben. Genau da wird wohl jene Poesie- Weisheit recht haben, dass da nur selten „echte“ Freundschaften dabei sind. Laut Definition bei Wikipedia ist Freundschaft eine Beziehung zwischen Menschen, die auf gegenseitiger vertrauensvoller Zuneigung beruht. Freundschaften habe ich später in der Kirche gefunden, wo von einem freundlichen Gott Zeugnis gegeben wird (Ps. 118.1): Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Dieser Gott kommt uns in Jesus Christus nahe, der wie ein guter Freund sein kann. Sich diesen Freund suchen wollen, wird nicht immer auf direktem Weg zum Ziel führen. Im Lukasevangelium (Kapitel 11) wird von einem bittenden Freund berichtet, der wegen der bestehenden Freundschaft mit materieller Hilfe rechnen darf. Wie aber eine Freundschaft entsteht, wie man einen "echten" Freund sucht und findet, das wird für mich im Gleichnis vom barmherzigen Samariter deutlich. Dort ist nicht von philos (Freund) die Rede, sondern von plesion (Nächster). Jesus drehte die Frage des Schriftgelehrten einfach um. Er gibt Hinweise, nicht wie man einen hilfsbereiten Freund sucht und findet, sondern wie man selbst zum Freund wird, sich finden lässt. In der Nächstenliebe, in der Hingabe z. B. eigener Kraft, Zeit, Begabung. Und wer solchermaßen "hingibt", der empfängt irgendwann und irgendwie auch wieder. Mir ist beim Schreiben dieser Sätze aufgefallen, wie wenig ich in den letzten Jahren in bestehende oder neue Freundschaften investiert habe. Vielleicht dient diese Erkenntnis mir auch zur Mahnung, mich mehr von anderen finden zu lassen

In freundschaftlicher Verbundenheit,
Ihr/Euer Pfarrer Dietmar Pohl

internetso Großenhain
Kirche
Jahreslosung 2017:
Gott spricht:
Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Ez 36,26 (E)
Evangelisch-Lutherisches Landeskirchenamt Sachsens