Großenhain

Das war der alte Kirchplatz 5 - Erinnerungen

jg1Generationen von Christenlehrekindern und Jugendlichen der Jungen Gemeinde sind im alten Haus neben der Marienkirche und Heimatmuseum aus- und eingegangen. Sie hörten Geschichten aus der Bibel, redeten, sangen, lachten, beteten, spielten und faulenzten dort. Manchmal habe ich mich gewundert, dass sich so viele Kinder und Jugendliche hierher verirrt haben – bei den sanitären Verhältnissen. Vielleicht weil es Ihr Haus war und die Räume nach JG-Wünschen gestaltet waren, Bilder der Christenlehre überall hingen? Im Erdgeschoss war eben Christenlehre und JG. Oft platzten die Räume aus allen Nähten, wenn der Kindergottesdienst zum Erntedank stattfand, wenn Christenlehregruppen 15 Kinder zählten oder als die Jungen Gemeinde über 30 Teilnehmer hatte. Nun ist endlich alles neu und größer. Das Warten hat ein Ende!

Ich erinnere mich an viele außergewöhnliche Faschingsfeiern der Jungen Gemeinde oder an Gäste, die die JG eingeladen hatte. Einmal hatten wir uns einen Zeugen Jehova mit seiner Tochter eingeladen. Und er kam! Die Jugendlichen stellten Fragen. Glaubwürdig bezeugte er seinen Glauben. Stutzig machte die Jugendlichen aber wie hörig die Tochter gegenüber ihrem Vater war. Das war dann doch nicht so beeindruckend.

Im Hochwasserjahr 2002 zog die Feuchte aus der Erde einen Meter in die Wände hoch. Ein muffiger Geruch war trotz allen Lüftens ständiger Begleiter. Zuguterletzt waren da noch diverse Wasserrohrbrüche. Mal war es von unten, mal von oben durch die Decke nass. Einmal stand der ganze Keller einen halben Meter unter Wasser, dann tropfte es von oben. Das Sofa der Jungen Gemeinde wurde unter Wasser gesetzt und konnte als Wasserbett benutzt werden. Selbst der Radiorekorder bekam sein Wasser von oben und funktioniert seitdem nur noch mit Fernbedienung!

jg2Die Turmbekrönungen unserer Kirchen enthalten meist Dokumente an die Nachfahren. Könnte so etwas auch bei den Abbrucharbeiten des 250 Jahre alten Hauses zutage kommen? Leider nichts spektakuläres: ein alter Kreisel, eine Illustrierte aus den 30-er Jahren, ein Holzhammer. Einen Ziegelstein, in dem eine Tierpfote eingedrückt war, haben wir sichtbar wieder eingebaut. Einen im Hof gefundenen Schädel haben wir auf dem Friedhof bestattet. Spannend war hingegen der Hinweis, dass sich im abgehängten Deckenboden über dem Junge-Gemeinde-Raum eine kleine Kiste befinden sollte, in die die vor einem halben Jahrhundert jung gewesenen Christen Botschaften hinterlassen haben sollten, als sie den Raum renoviert hatten. Gefunden haben wir nichts. Der Kommentar des Hinweisgebers: „Dann hat sich das heimlich die Stasi geholt!“. Wie auch immer. Sollte sich jemand außer Rudolf noch daran erinnern, bzw. sogar bei der „Verlagerung“ dienstlich aktiv gewesen sein, melden Sie sich doch bitte bei mir. Keine Angst, ich sage es nicht weiter, und verjährt ist das Delikt längst.

jg3Es gibt sie nicht mehr in Realität. Und keiner weiß genau, wer sie einst gemalt hatte, lange bevor sich die Grenzen in Europa auflösten, malte ein prophetischer Kartograf im Junge-Gemeinde- Raum eine Karte an die Wand: Teuropa. Mit viel Fantasie und Sprachwitz verwandelte er (oder sie?) Länder- und Städtenamen. Beispiele gefällig? Rest- und Rostberlin, Ehrfurcht, Chemienitz, Verdresden, Bankfurt und Plag, Musskau und Jodessa, Anatollien und Würgkei, Ironisches Meer und Sparajewo, Ölsardien und Chlorsika, Reparis und Lowdown, Mordrid und Stibiza, Balgerien und Tunix, Bleirut und Schwitzilien... Wir haben sie zwar noch einmal fotografiert, konnten sie aber leider nicht erhalten, wie auch den historischen Hinweis auf dem Luftschutzraum im Keller. Wir sind Teil einer sich verändernden Welt: aus der Ost- wurde die Westmark, dann gab es tatsächlich den „Teuro“, sind inzwischen Idee und Umsetzung eines vereinten Europa stark lädiert. (Dass Großenhain einmal Hayn genannt wurde, ist ja hinlänglich bekannt. Ich habe aber auf einer alten Karte von Sachsen entdeckt, dass sich da auch ein Druckfehler eingeschlichen hatte. Bei mir steht die Bezeichnung „Kayn“ - wenn das kayn Irrtum war!

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Kirche
Jahreslosung 2017:
Gott spricht:
Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Ez 36,26 (E)
Evangelisch-Lutherisches Landeskirchenamt Sachsens